Stillen tut mir weh – soll ich abstillen?

Ohhhh das liebe Stillen!

Stillen ist wirklich ein besonderes Thema!

Tatsächlich hatte ich vor der Geburt unserer Tochter so gar keine Berührung mit diesem Thema, ehrlich gesagt habe ich das erste Mal (bewusst) eine Mutter stillen gesehen, als ich auf einer Babymesse war.

Ich habe mir zur Geburt sogar Fläschchen gewünscht, da ich dachte, früher oder später braucht man die ja sowieso für die Babynahrung.

Und dann hatten wir im Geburtsvorbereitungskurs im letzten Unterrichtsblock (ich habe einen 8 Wöchigen Kurs gemacht) das Thema Stillen – für 1,5 Stunden. Ich weiß noch, dass ist meine Hebamme vorab gefragt habe: „Was kann man denn so viel über Stillen sprechen?! Ist das nicht einfach Baby nehmen und an die Brust?!??“ Woraufhin sie liebevoll sagt: „Ja genau, das ist es. Und ja, mach es einfach genau so! :-)“.

So viel zur Theorie!

Dann kam die Praxis… OMG – Was gibt es nicht alles an Stillproblemen, die man haben kann?! Ich glaub ich hatte sie ALLE! 😀
Tatsächlich habe ich jeden Tag der ersten 6 Wochen mit meiner Hebamme stundenlang über mein Still-Management (ohjaaa dafür gibt es ein Wort :-D) gesprochen! Achja und dann noch mit Stillberaterinnen, Ärzten, etc…

Dafür, dass ich vor der Geburt noch Fläschchen gekauft hatte, wusste ich nach der Geburt meiner Tochter, dass ich UNBEDINGT stillen möchte!
Zum Glück hatte ich eine Hebamme die mich dabei voll unterstütz hat und wirklich jeden SchiSchi (so nennt das mein Mann :-)) mit mir gemacht hat.

Wenn das Stillen nicht gleich gelingt

Solltest Du gerade schwanger sein, dann sei gesagt, dass Stillen auch oft von Anfang an problemlos klappt und ich wünsche Dir, dass es auch bei Dir so ist! Also lies entweder gar nicht erst weiter oder lies es Dir durch, dass falls Du ein ähnliches Problem hast, Du weißt wo Du Hilfe findest. Am Besten aber natürlich immer erst mit Deiner Hebamme sprechen. 🙂

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„Eat Local“ aus dem My Maisie Shop

Ich glaube die meisten Frauen machen leider, wie ich, die Erfahrung, dass der Support nach der Geburt im Krankenhaus von den Schwestern, meist nicht langfristig zielführend ist. Das Kind schreit, man bittet eine Schwester um Hilfe beim Anlegen, die Schwester kommt, nimmt mit der einen Hand den Kopf des Kindes und mit der anderen Hand die Brust der Frau und wendet die „Big Mac -Methode“ an: Warten bis der Mund des Kindes weit auf ist und dann HAPS.
Aber beim nächsten Mal steht man wieder da und weiß nicht wie das so richtig gelingen soll… Zu mal die Bedingungen durch den „Milcheinschuss“ (wobei ja nicht die Milch einschießt und das Wort daher out ist) erschwert sind. Teilweise sind die Brüste so prall, dass das Kleine gar nicht ordentlich andocken kann, dies führt gern zu wunden Brustwarzen. Das wünsche ich auch niemanden!

Dabei gibt es ein wunderbares Video von Global Health, das erklärt worauf es beim Anlegen und Stillen technisch ankommt:

Stillprobleme

Leider ist das Anlegen mitunter nicht das einzige Problem. Hab ich erwähnt, dass ich zwei mal im Krankenhaus in den ersten 4 Wochen war? Eigentlich sogar 3 Mal, aber das erste Mal war es etwas anderes. 😀
Die anderen beiden Male war es eine Brustentzündung, die so hartnäckig war, dass ich an den Tropf musste. Hinzu kam, dass ich einen Vasospasmus hatte, dass ist eine Krampfneigung in der Brust, oft durch Einnahme von Magnesium in der Schwangerschaft (also Vorsicht!) hervorgerufen, was zu unsagbaren Schmerzen beim Stillen führt. Tatsächlich klappte das Stillen in den ersten Wochen nur Dank Schmerzmitteln.

Man kann sich wirklich den ganzen Tag mit dem Thema Stillen beschäftigen im Wochenbett!

Und leider ist die Liste an möglichen Stillproblemen gar nicht so kurz – wie gesagt, bei vielen meiner Freundinnen klappte es problemlos – also keine Angst bekommen! 🙂

Große Themen sind auch immer: Habe ich genug Milch bzw. wird mein Kind von „nur“ Stillen satt?
Der Körper ist ein echtes Wunderwerk und es macht mich immer ganz traurig, wenn Frauen suggeriert wird, dass ihre Milch nicht reicht. Natürlich, es gibt sicherlich selten den Fall, dass dem so ist, aber viel seltener, als Frauen das glauben. Nur weil beispielsweise beim Abpumpen nichts oder nicht so viel rauskommt, heißt es nicht, dass das Baby nichts rausbekommt. Mein Kind ist prächtig gedeiht obwohl beim Abpumpen gar nichts rauskam.
Aber verständlich, dass man in den ersten Lebenstagen nicht allzu offen für „Experimente“ ist und lieber zu füttert.
Und auch das teilweise seeeehr häufige Anlegen im Wochenbett, wo man sich manchmal fragt: Wird mein Kind denn überhaupt satt?!? – Ja auch das ist normal und nennt sich Cluster-Feeding. Damit regulieren die Kleinen die Milchmenge in der Brust.

Wo bekomme ich Hilfe, wenn ich Stillprobleme habe?

Wie Du vermutlich schon bemerkt hast ist die Liste an möglichen Stillproblemen leider sehr lang. Und oft lassen sich gezielte Probleme im Internet recherchieren oder in der Fachliteratur nachlesen, da gibt es auch eine Menge gute Quellen.
Allerdings können die Probleme auch sehr individuell sein, Beispiel: Reicht meine Milch?!

  1. Natürlich die erste Anlaufstelle sollte immer die Hebamme sein! Aber, was wenn man keine Hebamme bekommen hat oder nicht genug auf einer Wellenlänge schwingt?
  2. Klar den Kinderarzt kann man auch immer fragen, meine Ärztin ist ganz wunderbar und würde bei solchen Problemen helfen. Aber, wer hat schon einen Arzt der sich mal wirklich Zeit nehmen kann??
  3. Dann gibt es noch den Frauenarzt, aber die sind gefühlt schon etwas weiter weg von der Materie und auch hier ist Zeit oft ein knappes Gut.
  4. Was viele gar nicht wissen, es gibt eine deutschlandweite Still-Hilfe Hotline der afs! https://www.afs-stillen.de/
    „Bei Fragen und Problemen rund ums Stillen:
    0228 / 92 95 9999*
    *zum Ortstarif mobil max. 0,42 €/Min.“
    Ich meine wie toll ist das denn bitte?!?! Weiter so!
  5. Einige Städte bieten sogar kostenlose Stillberatung an, sogar von IBCLC zertifizierten Stillberaterinnen (das ist quasi die Guru-Ausbildung und sehr viel mehr als „nur“ eine Stillberaterin). Schaut unbedingt mal in Eurer Stadt und in eurem Bezirk, da findet ihr vielleicht so etwas wie hier im Wandsbeker Stadtteil von Hamburg: https://www.hamburg.de/wandsbek/muetterberatung/
    Auch ein großartiges, kostenloses Angebot!!
  6. Dann bieten viele Krankenhäuser, Hebammenpraxen, Stillberaterinnen und Familiennetzwerke Stilltreffs oder generell Mütter-Frühstücke an. Dort ist dann meist eine Hebamme oder/und eine Kinderkrankenschwester und Stillberaterinnen. Bei kleineren Fragen oder um zu schauen, ob es für einen überhaupt Sinn macht, einen Themenpunkt anzugehen, eine gute Möglichkeit für ein kurzes Gespräch.
  7. Stillberaterinnen aufsuchen – ihr könnt natürlich auch eine Stillberaterinnen engagieren. Ich hatte so hartnäckige Probleme, dass meine (tolle) Hebamme nicht mehr weiter wusste, und die kostenlosen Angebote habe ich erst danach entdeckt. Also habe ich nach einer IBCLC zertifizierten Stillberaterinnen gesucht und eine am anderen Ende der Stadt gefunden. Nach einem 1,5 Stunden Gespräch mit Mann und Kind, war mir bereits sehr viel geholfen. Das war wirklich sehr nützlich. Zudem war Sie auch Ärztin im vorherigen Berufsleben und konnte mir daher Rezepte verschreiben, aaaauch hilfreich. Aber, das ist natürlich nicht kostenlos, so 1,5 Stunden kosten dann schnell mal um die 150 EUR. Klar, ihr Geld wert, aber haben muss man es ja trotzdem erstmal.
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„Eat Local“ aus dem My Maisie Shop

Jetzt mal ehrlich, war es den ganzen Aufwand und die Schmerzen wert?!

Meine Familie, vor allem die ältere Generation, lag mir natürlich die ganze Zeit mit: „Hör auf Dich zu quälen und still endlich ab!“ im Ohr.

Klar, am Anfang wusste ich ja nicht, dass es insgesamt 6 anstrengende Wochen werden sollten. Und rückblickend nach ca. 10 Wochen habe ich gesagt: „Hätte ich am Anfang gewusst, das es so lang und hart werden würde, hätte ich gleich abgestillt.“ Aber schon nach ca. 4 Monaten habe ich das revidiert und denke bis heute: „Ein Glück bin ich dran geblieben!“

Natürlich ist das eine sehr individuelle Entscheidung und es gibt ein richtig und kein falsch. Ich hatte (am Anfang) ein paar Tage, da tat das Stillen so doll weh, dass wenn die kleine Mia Hunger angekündigt hat, sich mir die Zehennägel hochgerollt haben. Es ging vorbei, aber generell: Wenn man Angst vor dem eigenen Kind bekommt, ist das ein wirklich schlechtes Zeichen und es muss sich was ändern! Das sollte keiner durchmachen müssen und auf Dauer kann es der Beziehung schaden.

Bloß, ich möchte gar nicht mit den Vorteilen vom Stillen anfangen, das würde den Umfang grenzenlos sprengen, das Ding ist, dass ich während des gesamten 1. Jahres so oft mit den Vorteilen konfrontiert wurde, man liest hier und da immer wieder davon, dass ich, froh war dran geblieben zu sein. Ja, auch mit Fläschchen werden die Kleinen groß und stark, gar keine Frage, aber wenn man selbst diesen großen Drang hat seinem Kind das Beste geben zu wollen, dann könnten einen das jedes Mal ein bisschen wehmütig werden lassen.

Meine Freundinnen, die Fläschchen geben, sagen immer, dass sie froh sind das Fläschchen zu geben, da auch jemand anderes mal füttern kann (auch wenn das wohl gerade nachts selten vorkommt ;-)) und sie sich nicht in der Öffentlichkeit entblößen müssen (Oh Gott, darauf könnte ich auch verzichten!), aber sie sagen auch, wenn sie ehrlich sind wünschten sie, dass sie es länger versucht hätten. Das Nachts-Aufstehen, so viel Zeug umher tragen und dann doch immer mal die Zweifel, ob man seinem Kind das Beste gibt (wir haben ja alle hohe Ansprüche…).

Daher ist meine Empfehlung: Probiert wirklich so viel aus, dass ihr das Gefühl habt „genug“ probiert zu haben. Aber respektiert Eure Grenzen! Euer Kind wird mit Brust oder Flasche groß und stark, aber trefft Eure Entscheidung informiert. Und es gibt mehr – sogar kostenlose – Hilfe, als ihr vielleicht denkt.

Happy Stillen!

Deine Maisie

PS: Falls Du noch weitere Ideen hast, die ich mit in die Liste aufnehmen soll, dann hinterlasst einen Kommentar! :-*

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